Du durchsuchst gerade das Monatsarchiv für den November 2010.

Ein paar Frühdienste hat Seniorrita nun schon hinter sich.
Statt zu Fuß von Etage zu Etage, hetzt rast sie nun Wohnung zu Wohnung, immer auf der Hut vor bösen Blitzgeräten, und mit der Zeit im Nacken,..
Da sie das nette Dienstwägelchen nicht gleich zu Schrott fahren will hält sie sich auch an die Vorschriften, was das ganze Zeitproblem aber wiederum nicht wirklich besser macht,..
alles ist penibel geplant,.. also wenn Frau Müller-Maier-Schulze heute halt keinen so guten Tag hat und sie fürs laufen ins Bad statt der geplanten 30 sek. diesmal 5 min. braucht, verschiebt sich mein Feierabend wieder weiter nach hinten,..
dann bin ich beim nächsten Patienten schon mal 10 min. zu spät,.. (die anderen 5 Minuten gehen derzeit noch für zeitweise unkoordiniertes arbeiten drauf)

Jetzt rechne man das ganze auf 15-20 Patienten auf und man bekommt leicht Panik,..
spätestens nach dem 5. Patienten..
Okay… ganz so schlimm ist es dann doch nicht, zwei, drei mal hab ich angerufen das ich mich etwas verspäte,.. aber den Kopf hat mir bisher noch keiner abgerissen..

Aber mal ehrlich macht ihr mal eure Arbeit nach einem strengen Zeitplan,.. 8,00 dort, 8,08 da 8,24 hier…
Und dann immer,..aus m Auto,.. in Wohnung flitzen,.. zurück,.. ins Auto,.. weiter geht s..
Irgendwie extrem gewöhnungsbedürftig!
Ich arbeite doch mit Menschen nicht mit Maschinen…

Ob ich für diese Art Pflege wirklich der Typ bin?
…Derzeit stell ich mir grad diese Frage…

Kennt ihr diese Tage, an denen man bereits als man zur Tür heraustritt schon nasse Socken hat? (von den Schuhen will ich hier gar nicht reden)
Genau, diese Tage an denen ihr auch keine Möglichkeit habt die gegen ein paar trockene zu wechseln,..
An diesen Tage habt ihr den ganzen Tag das Glück, eine kostenlose Dusche zu nehmen,..
nur leider fehlt euch das Shampoo, die Zeit, und noch ein paar andere unwesentliche Dinge um das ganze wirklich genießen zu können..
Falls ihr also heute jemanden bei strömendem Regen mit einem riesigen Schlüsselbund durch euer Wohngebiet habt rennen sehn..
..dann ratet mal wer das war!!!
(es lag auch nicht etwa NUR am Regen das ich rannte,…)
Ihr fandet es sehr lustig wie die da mit einer Hand versuchte den Regenschirm zu halten,..ihre Tasche im Laufschritt nicht zu verlieren und sich mit der anderen Hand so komisch die Hose festhielt?
..Glaubt mir,.. hätte ich es nicht getan wäre es noch lustiger geworden..

Irgendwie scheint man in der ambulanten Pflege abzunehmen..
Hah.. doch was positives an diesem Job gefunden,…
Keine Ahnung ob ich mich an diese Art von herumgehetze Arbeit gewöhnen werde…

Einarbeitung ist was tolles!
Da fühlt man sich so richtig schön in seine Ausbildungszeit zurückversetzt,..
Von nix einen Plan steht man meist rum und versucht sich irgendwie nützlich zu machen..
Ganze 3 Tage durfte ich mit- bzw. selbst fahren,..
Ehrlich gesagt überraschte es mich, denn bei den meisten Pflegediensten darf man nach dem 1. Tag komplett allein loslegen,..und verfährt sich dann auch gnadenlos..
Mit der Pflege und den Patienten wird es wohl weniger Probleme geben,…
aber das fahren,…
(Seniorrita verrät hier nicht dass sie das, ihr völlig unbekannte Wagenmodell gefühlte 300 mal absaufen ließ und Kollegin neben ihr schon ein leises Oh Gott wimmerte..)
Das beunruhigt Seniorrita doch schon ein wenig,.. denn wie sie nun erfuhr, fährt sie doch ziemlich viel durch die Stadt…
Soviel zum Thema “nur Randgebiete”..

Ob sie dass mit den Schlüsseln je auf die Reihe bekommen wird fragt sie sich heute auch den ganzen Tag,..
Wie war das jetzt noch mit der Hausnummer bei Frau Groß?.. und was für ne Schlüsselnummer hatte sie…
..Ich glaub ich werde morgen viel Spaß haben…

Frühdienst..
Morgens 6 Uhr sollte es los gehen.
Ich fuhr mit Kollegin mit bei der ich schon einmal probeweise reingeschaut hatte,..
Ein paar Patienten der Tour kannten mich auch noch..
Fazit des Tages:
- viele neue Eindrücke..
- Patienten soweit alle lieb..
- zeitmäßig scheint man auch alles recht gut zu schaffen
- Stimmung im Büro etwas angespannt…

..mir kommen leichte Zweifel,.. Aber es ist ja erst der 1. Tag…

..auf meiner “alten” Arbeitsstelle war komplett anders als ich ihn mir vorstellte.
Und da sieht man wieder einmal,..
Am Ende weiß man wer wirklich hinter einem gestanden hat..! und wer nur nett war weil er etwas von einem wollte
Nun ist sie noch einmal mehr darin bestärkt worden, das dies die Richtige Entscheidung war, auch wenn ihr der ein oder andere Bewohner schon etwas fehlen wird..
Immerhin war sie nun über 3 Jahre dort,..
Aber nun denkt Seniorrita mal an sich, und an ihr berufliches Weiterkommen,..
Eine neue Stelle, mit hoffentlich klaren Richtlinien, wo nicht jeder das tun und lassen kann was er eben grad so denkt..
..das sollte bei der neuen Stelle aber eigentlich kein Problem sein..

Der Abschied von dem ein oder anderen fiel Seniorrita zugegeben etwas schwerer,..
Umso tröstender ist es dann, wenn man merkt dass dies nicht nur einseitig ist, sondern man von manch Bewohner oder auch Angehörigen zum Schluss gesagt bekommt, dass man in Ihren Augen gute Arbeit geleistet hat und sie ehrlich traurig sind dass man geht..
Schade dass so etwas all die Jahre kein Kollege, geschweige denn der Chef mal über die Lippen bekommt…
Aber dieses Kapitel ist dann jetzt auch abgeschlossen…. !

Ich bin bei einer Bewohnerin und bereite gerade alles für die morgendliche Grundpflege vor,..
Sie schaut mich schon die ganze Zeit mit einem breiten Grinsen an, das macht sie öfter, aber diesmal war es mehr als sonst,…
Ich frage,…
“Was grinst Du denn die ganze Zeit so?”

“Ach, ich freu mich dass Du heute da bist!”

“Uiii! Na das hört man gern!
Ich freu mich auch dass ich hier bei Dir bin ;-)

..nach einem tiefen Atemzug meint sie grinsend
“Hach, wir sind so zwei richtig alte Truten!”

*Räusper*.. also Truten vielleicht,.. aber alt ? ..ich ?…
pöh!

…und schon wieder die Erkenntnis,..
dass ich ein paar meiner Bewohner und deren Sprüche ziemlich vermissen werde…

Auch ein mögliches Arbeitsfeld für Altenpfleger und das, in welches Seniorrita derzeit (noch) den größten Einblick hat.
Und andererseits auch am wenigsten, denn irgendwie sind da rechtlich viele Dinge nicht so klar geregelt findet sie. (vergleicht man es mit einem Pflegeheim)
Eigentlich gehören die meisten betreuten Wohnen einem ambulanten Pflegedienst an, also gelten demnach auch die Verordnungen für die ambulante Pflege.
Diese unterscheiden sich teilweise stark von denen für ein Pflegeheim.
Es ist ein Unterschied ob man erst einmal in eine Wohnung fahren muss und dadurch logischerweise nicht immer sofort oder mehrmals in der Stunde nach einem Patienten sehen kann,..
In einem Betreuten Wohnen wäre dies dagegen, ähnlich wie in einem Heim, möglich.

Betreute Wohnen können ein super Arbeitsplatz sein.
Man muss nicht umher fahren, statt dessen erreicht man seine Patienten zu Fuß oder per Fahrstuhl.
die Arbeitszeiten sind meist ähnlich der stationären Pflege im 8 Stunden Schichtsystem.
Die Häuser sind meist im Erdgeschoss mit einem Gemeinschaftsraum ausgestattet, so dass die Möglichkeit zur gemeinsamen Mahlzeiteneinnahme, Kaffeekränzchen oder Feiern, mit anderen Hausbewohnern besteht.
Als Pflegefachkraft sollte man sich hier also auch nicht zu schade sein mal den Tisch zu decken oder den Geschirrspüler auszuräumen.
Da viele Hausbewohner noch relativ fit sind und sich größtenteils auch noch selbst versorgen können, ist dieser Arbeitsbereich körperlich wesentlich leichter zu ertragen als beispielsweise ein Pflegeheim.. sieht man mal vom nächtlichen Fußbodenreinigen ab, nach dem Seniorrita immer erstmal ne mind. 5 minütige Pause braucht
Ergo hat man meist auch mehr Zeit zur Verfügung. (..aber das mag von Haus zu Haus auch variieren,..)
Oft ist man allerdings allein für das gesamte Haus zuständig, wenn es dann keine klaren Regelungen bezüglich Hilfen im Notfall gibt ist man ganz schön aufgeschmissen..

Ich bringe mal wieder das Abendessen zu Frau T, die allein in ihrer kleinen 1-Raum Wohnung wohnt.

Mit einem “Bitteschön” stelle ich es ihr auf den Tisch.

“Oh danke!..ähm,..Was ist das?”

“das ist das Abendbrot!”

“Achso!,..dann ist das wohl für DIE da..!”
..und zeigt mit ihrem Finger Richtung Wand..(an der weder jemand stand noch ein Spiegel hing)

“ähm,.. Nein! Das ist für sie!”

“Achso, oh, danke!”

Tja, so sind sie unsere Bewohner,..
..ich glaub ich werd sie vermissen..

In meinem Beruf braucht man Einfühlungsvermögen…
Ja,..ganz viel davon..
Da sollte doch auch ein wenig für die Leute da sein die Seniorrita und ihren Arbeitskollegen einen Job geben, oder?

- Woher das ganze Geld für den Mindestlohn nehmen?
Für Chef gibts ja auch nicht plötzlich mehr…

- Warum kann man den Lohn nicht stufenweise angleichen.. jeden Monat bekommen die Mitarbeiter 5 Euro mehr, bis dann das Endgehalt erreicht ist,..
..so hat Chef wenigstens Zeit alles langsam zu händeln…

- Wenn Chef dann doch merkt dass er langsam pleite geht…
Gibts für ihn und seine Angestellten dann vielleicht auch so ein Rettungspaket..? (ihr wisst schon, so eines wie in Griechenland)

- Oder ist das etwa alles so geplant von höchster Stelle?..
Schließlich müssen dann einige Pflegedienste schließen,.. weil sie evtl. verklagt werden,..oder ähnliches..
So erreicht man ganz einfach eine Verbesserung der Pflegequalität,..
Oder etwa nicht?..

Hmm.. irgendwie muss ich mir das alles denk ich nochmal durch den Kopf gehen lassen,..

Oder,…besser doch nicht..?… !

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